Im Rahmen eines Seminars besuchten Schüler der
achten Klasse der Ursula-Kuhr-Schule das NS-Dokumentationszentrum
EL-DE-Haus am Appellhofplatz. Der interessante aber auch schockierende
Ausflug vermittelte den Schülern wichtige Erkenntnisse.
Die Schüler der 8d der Ursula-Kuhr-Schule
in der Rolle der deutschen Nationalmannschaft. Nach der Ideologie von
Rechtsextremisten bestünde sie nur noch aus vier Spielern. (Bild: Pabst)
Innenstadt/Heimersdorf -
An den Wänden der winzigen Zelle haben die einstigen Insassen
handgeschriebene Botschaften hinterlassen: Auf Serbisch, Polnisch,
Russisch, Französisch oder Englisch. Es sind Mitteilungen für enge
Verwandte, für die Freunde und Familie, jede einzelne ist mindestens 66
Jahre alt. Die Schüler der Klasse 8d der
Ursula-Kuhr-Schule
aus Heimersdorf, in der der Anteil von Schülern mit ausländischen
Wurzeln auf 50 Prozent geschätzt wird, stehen vor den engen Zellen,
entziffern die Inschriften an der Wand und lauschen den Ausführungen
ihres Geschichtslehrers Markus Thulin.
Im Rahmen eines Seminars besuchen sie das NS-Dokumentationszentrum
EL-DE-Haus am Appellhofplatz, das zugleich das ehemalige Hauptquartier
der Kölner Gestapo ist: "Wir führen diese Seminare hier zum ersten Mal durch", sagt Klassenlehrerin Alexandra Nowak. "Diese Transparenz ist im Unterricht so nicht möglich."
Interessiert und geschockt
Die 19 Schüler im Alter zwischen 13 und 14 Jahren zeigen sich
interessiert und geschockt von den Bedingungen, unter denen die
Gefangenen leben mussten. "36 Menschen haben damals in so einer winzigen
Zelle gehockt, zu essen gab es Wassersuppe mit Sägespänen." "Wie
asozial!", ruft einer der Schüler laut. "Warum waren die denn überhaupt
hier eingesperrt?" "Weil ihnen beispielsweise Sabotage vorgeworfen
wurde", erläutert Markus Thulin. "Sie wurden hier nicht wie Menschen
behandelt, nicht einmal wie Tiere, sondern wie Müll."
Dann sind die Schüler selbst an der Reihe, schwierige Fragen zu beantworten - unter der Leitung von Hans-Peter Killguss,
der im Info- und Bildungszentrum des Dokumentationszentrums Seminare
anbietet, die sich unter anderem mit der Neonazi-Szene beschäftigen. Die
Jugendlichen sind aufgefordert, auf Plakaten sowie in rechtsextremen
Liedern und Slogans die rassistischen Hintergründe zu entlarven.
„Ich bin Kölner“
Dann nimmt jeder Schüler die Rolle eines Fußballnationalspielers an. Und
sie lernen dabei, dass nach den Gesichtspunkten rechtsextremer
Populisten nur noch ganze vier Spieler, die keine ausländischen Wurzeln
haben, für Deutschland auflaufen dürften. "Wir haben dieses Seminar
schon mit mehreren Klassen durchgeführt", sagt Markus Thulin. "Am Ende
fehlen viele Lieblingsspieler wie beispielsweise Lukas Podolski."
In einem anschließenden "Interview" antworteten die Schüler häufig ganz
einfach auf die Frage, wer sie seien: "Ich bin Kölner." Und damit ist
das Ziel des Seminars
erreicht, so Markus Thulin: "Dabei zeigt sich, dass niemand einem
vorschreiben kann, wer man ist und wie man sich definiert. Das muss
jeder für sich selbst feststellen."