Sozialprojekt "Stärken vor Ort" muss wegen fehlender Gelder beendet werden

von ECho - Engagiert in Chorweiler (JobBörse, Sozial- und Mieterberatung), am 24.01.2012


Köln, 23.01.2012, 17:30 Uhr > Nach drei Jahren ging zum Jahreswechsel das Sozialprogramm des Bundes „Stärken vor Ort“ zu Ende. Weil die Förderung durch den Bund ausgelaufen ist, fehlt es nun an Geldern. Dabei sei der Bedarf für die Projekte durchaus da.
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Das Geld ist weg. Darum müssen die Projekte beendet werden. Das war der Grundtenor auf der heutigen Nachbesprechung der Projektträger des Programms „Stärken vor Ort“ in Köln-Chorweiler. Das Bundesprogramm war 2009 in 280 Kommunen in Deutschland gestartet, auch in Köln. Dort unter anderem im Stadtteil Chorweiler. Das Programm wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert und auf jugend- und gleichstellungspolitische Ziele ausgerichtet. „Stärken vor Ort“ unterstützte die soziale, schulische und berufliche Integration von benachteiligten jungen Menschen und Frauen mit Problemen beim Einstieg und Wiedereinstieg in das Berufsleben.

Im Rahmen von lokalen Aktionsplänen konnten an bundesweit 280 Standorten  rund 9.000 wohnortnahe Mikroprojekte durchgeführt werden. In Köln-Chorweiler wurden 36 Mikroprojekte durchgeführt. So half etwa der Verein „Echo – engagiert in Chorweiler“ Frauen, einen Ausbildungsplatz oder ein Praktikum zu bekommen. „Transfer e.V.“ organisierte eine Gewaltprävention als Teil der Werteerziehung. Insgesamt hätten 1.001 Menschen an den Projekten teilgenommen, erklärte Martina Zuber-Goljuie von der leitenden Koordinationsstelle.

Das Geld ist weg – die Projekte auch

Insgesamt bekam Chorweiler für jedes Jahr 70.000 Euro vom Bund gestellt, errechnet an der Einwohnerzahl des Stadtgebietes. Damit wurden die Mikroprojekte gefördert. Weil die Bundesförderung nun ausgelaufen ist, müssen die Projekte beendet werden. „Ohne Fördermittel können wir uns das nicht leisten“, sagte Udo Juchems von „Echo“. Darin stimmten alle anwesenden Verantwortlichen überein.

Eine Nachhaltigkeit würde so nicht entstehen, obwohl der Bedarf durchaus da sei. Angelika Bahls, Mitarbeiterin der „Freunde des Interkulturellen Zentrums – FIZ“ forderte Maßnahmen. Das Finanzierungssystem für Sozialprojekte wie „Stärken vor Ort“ müsse dringend überarbeitet werden. „Wir brauchen ein Regelfinanzierungssystem. Ohne es kann keine Nachhaltigkeit gewährleistet werden“, so Bahls und weiter: „Es bestimmten nicht mehr wir vor Ort – also die Experten – was gemacht und gebraucht wird, sondern die Politik.“

Die soziale Arbeit sei dadurch sehr unsicher geworden. „Der Bedarf wird nicht bedient, sondern er wird geschaffen“, so das vernichtende Urteil. Die Bereitschaft, die Aktionen und Projekte weiterhin durchzuführen, sei jedoch grundsätzlich da. Jedoch dürfe sich die gestellte Summe nicht an der Einwohnerzahl orientieren, sondern an dem tatsächlichen Bedarf. „Der spontane Abbruch mitten in den Projekten ist ebenfalls mehr als ungünstig“, so Bahls. Auch ein abschließender Bericht für die Vereine und Initiativen werde es nicht geben.

„Es war gut“
Neben großer Kritik an der Finanzierung fand sich trotzdem Lob. „Natürlich werden die Projekte fehlen. Aber es ist gut, was gelaufen ist“, so Zuber-Goljuie. Auch Klaus-Martin Ellerbrock, Sozialraumkoordinator der Stadt Köln, schloss sich dem an: „Es wurden Gruppen einbezogen, die sonst nicht einbezogen worden wären.“ So seien von denn 1.001 Teilnehmern 759 unter 25 Jahre gewesen. 389 Teilnehmer waren Frauen. „Jugendlicher sind fordernder“, erklärte Zuber-Goljuie den niedrigen Altersdurchschnitt. Die Rate der Teilnehmer mit Migrationshintergrund habe bei 76% gelegen. „Wir haben schließlich 120 Nationalitäten hier in Chorweiler“, sagte Zuber-Goljuie.

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Es gibt nur eine Nationalität: Kölsch

von Ursula-Kuhr-Hauptschule, am 17.01.2012


Im Rahmen eines Seminars besuchten Schüler der achten Klasse der Ursula-Kuhr-Schule das NS-Dokumentationszentrum EL-DE-Haus am Appellhofplatz. Der interessante aber auch schockierende Ausflug vermittelte den Schülern wichtige Erkenntnisse.
 
Die Schüler der 8d der Ursula-Kuhr-Schule in der Rolle der deutschen Nationalmannschaft. Nach der Ideologie von Rechtsextremisten bestünde sie nur noch aus vier Spielern. (Bild: Pabst)
Innenstadt/Heimersdorf - An den Wänden der winzigen Zelle haben die einstigen Insassen handgeschriebene Botschaften hinterlassen: Auf Serbisch, Polnisch, Russisch, Französisch oder Englisch. Es sind Mitteilungen für enge Verwandte, für die Freunde und Familie, jede einzelne ist mindestens 66 Jahre alt. Die Schüler der Klasse 8d der Ursula-Kuhr-Schule aus Heimersdorf, in der der Anteil von Schülern mit ausländischen Wurzeln auf 50 Prozent geschätzt wird, stehen vor den engen Zellen, entziffern die Inschriften an der Wand und lauschen den Ausführungen ihres Geschichtslehrers Markus Thulin.

Im Rahmen eines Seminars besuchen sie das NS-Dokumentationszentrum EL-DE-Haus am Appellhofplatz, das zugleich das ehemalige Hauptquartier der Kölner Gestapo ist: "Wir führen diese Seminare hier zum ersten Mal durch", sagt Klassenlehrerin Alexandra Nowak. "Diese Transparenz ist im Unterricht so nicht möglich."

Interessiert und geschockt

Die 19 Schüler im Alter zwischen 13 und 14 Jahren zeigen sich interessiert und geschockt von den Bedingungen, unter denen die Gefangenen leben mussten. "36 Menschen haben damals in so einer winzigen Zelle gehockt, zu essen gab es Wassersuppe mit Sägespänen." "Wie asozial!", ruft einer der Schüler laut. "Warum waren die denn überhaupt hier eingesperrt?" "Weil ihnen beispielsweise Sabotage vorgeworfen wurde", erläutert Markus Thulin. "Sie wurden hier nicht wie Menschen behandelt, nicht einmal wie Tiere, sondern wie Müll."

Dann sind die Schüler selbst an der Reihe, schwierige Fragen zu beantworten - unter der Leitung von Hans-Peter Killguss, der im Info- und Bildungszentrum des Dokumentationszentrums Seminare anbietet, die sich unter anderem mit der Neonazi-Szene beschäftigen. Die Jugendlichen sind aufgefordert, auf Plakaten sowie in rechtsextremen Liedern und Slogans die rassistischen Hintergründe zu entlarven.

„Ich bin Kölner“

Dann nimmt jeder Schüler die Rolle eines Fußballnationalspielers an. Und sie lernen dabei, dass nach den Gesichtspunkten rechtsextremer Populisten nur noch ganze vier Spieler, die keine ausländischen Wurzeln haben, für Deutschland auflaufen dürften. "Wir haben dieses Seminar schon mit mehreren Klassen durchgeführt", sagt Markus Thulin. "Am Ende fehlen viele Lieblingsspieler wie beispielsweise Lukas Podolski."

In einem anschließenden "Interview" antworteten die Schüler häufig ganz einfach auf die Frage, wer sie seien: "Ich bin Kölner." Und damit ist das Ziel des Seminars erreicht, so Markus Thulin: "Dabei zeigt sich, dass niemand einem vorschreiben kann, wer man ist und wie man sich definiert. Das muss jeder für sich selbst feststellen."

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